Hans
Peter
Hauschild


Wir fühlen uns mit Hans Peter Hauschild verbunden, weil er in unserer Stadt geboren wurde...

Hans Peter Hauschild und seine Ideen leiten uns. Ausgehend von der eigenen Erfahrung, zu einer Minderheit zu gehören und durch die HIV Infektion doppelt ausgegrenzt zu sein, stieß er an soziale, politische und strukturelle Grenzen. Grenzen, die Menschen daran hindern, den eigenen Lebensentwurf zu leben. Diese Erfahrung mündete im von ihm entwickelten Konzept der strukturellen Prävention, welches die Aidshilfearbeit in Deutschland bis heute prägt. Wir fühlen uns mit Hans Peter Hauschild verbunden, weil er in unserer Stadt geboren wurde, aufwuchs und studierte.

Das Leben von Hans Peter Hauschild (1954-2003)

nach Texten von Eugen Januschke und Stefan Etgeton

Hans Peter Hauschild sagte nach seiner Wahl in den Vorstand der Deutschen Aidshilfe über sich selbst: "Diplom-Pädagoge, seit 1984 Sekretär einer Anti-Apartheid-Organisation, verstärktes Engagement in der Schwulenbewegung, seit Aids das Thema der Schwulen ist; ‚positiv‘, seit es, den Test‘ gibt (1984), dann Aufbau der Aidshilfe Frankfurt; Geschäftsführer der Aidshilfe Frankfurt bis Sommer 1988, Landesvorstand der Aidshilfe Hessen, seither HIV-Referent der Aidshilfe Frankfurt, seit 18.02.1990 DAH-Vorstandsmitglied.“

Hans Peter Hauschild wurde 1954 als Sohn sudetendeutscher Vertriebener in Gießen geboren. Während des Studiums der Heil- und Sonderpädagogik an der Justus-Liebig-Universität gründete er einen Freizeitverein für Menschen mit und ohne geistige Behinderung mit der Idee, „soziale Grenzen zu verlernen“. Schon bald entstand daraus eine gemischte Kommune, die sich vom Zeitgeist der 70er Jahre durch ihre enge Anbindung an eine katholische Kirchengemeinde unterschied. Das Projekt überzeugte zunächst, so dass der Caritasverband Gießen ein weiteres Haus einrichtete, in welchem nach diesem Konzept unter Hans Peter Hauschilds Leitung gearbeitet wurde. Diese große katholische „Familie“ aus behinderten und nicht behinderten Menschen war für ihn Alternative zur Kleinfamilie. Ehe und Vaterschaft sollten darin ebenso ihren Platz haben wie seine erste große schwule Beziehung. Für diesen provozierenden Lebensentwurf war im Caritasverband Gießen jedoch kein Platz, der Bischof von Mainz wollte nicht akzeptieren, dass Hauschild, inzwischen Ehemann und Vater einer Tochter, in aller Öffentlichkeit schwule Beziehungen pflegte. So kam es zum Bruch und zum Umzug nach Frankfurt am Main.

Ein neuer Lebenskreis öffnete sich dort mit dem Aufbau der Frankfurter Aidshilfe in den 80er Jahren. Als HIV-positiver Pädagoge entwickelte er in Anlehnung an Public Health Programme der WHO das Konzept der "Strukturellen Prävention", das in der deutschen Aidshilfe-Bewegung die mit HIV lebenden Menschen in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit Aids stellte. Auch hier leitete ihn seine Idee, soziale Grenzen - diesmal verursacht durch HIV und Aids - zu verlernen.

1990 wurde er in den Bundesvorstand der Deutschen AIDS-Hilfe gewählt. Dieses Engagement brachte Hans Peter Hauschild nach Berlin. Zu der Zeit wurde unter der Regierung Kohl der sog. Asylkompromiss durchgesetzt, in dessen Folge die Gesetzgebung bestimmte Geflüchtete illegalisierte. Hans Peter Hauschild wandte sich diesen Menschen zu. Dazu nutzte er erneut einen kirchlichen Kontext, denn die katholische Friedensbewegung Pax Christi betrieb seinerzeit in Berlin eine Beratungsstelle für humanitäre Härtefälle. Diese machte auch Huren, Junkies, Straftäter usw. Hilfen zu einem legalen Aufenthaltsstatus zugänglich. Auch hierbei leitete Hauschild seine Idee, soziale Grenzen – an dieser Stelle solche kultureller Fremdheit - zu verlernen. Mit diesem Engagement besonders für Menschen, denen die bürgerliche Gesellschaft ihre Solidarität verweigerte, eröffnete er den von Aids bedrohten vulnerablen Gruppen einen politischen Raum in der Aidshilfe. Politik und Sexualität gehörten für ihn von der Sache her selbstverständlich zusammen, und in diesem Sinn hat er die Deutsche AIDS-Hilfe nachhaltig geprägt.

Als sich Mitte der 90er Jahre seine gesundheitliche Situation zum Vollbild Aids verschlechterte, wurde Hans Peter Hauschild verrentet. Er promovierte an der philosophischen Fakultät der Humboldt-Universität und unterrichtete dort als Kulturwissenschaftler, schrieb Bücher und Artikel. Er verfolgte weiter seine Ideen, soziale Grenzen zu verlernen. Er setzte sich vertieft mit den Grenzen zeitgenössischer Philosophie auseinander und suchte nach Ansätzen, zwischen religiöser Praxis und gelebter Sexualität zu vermitteln. Hans-Peter Hauschild lebte vielfältig Beziehung, pflegte Freundschaften intellektueller wie auch sexueller Natur, vor allem aber mit Eugen Januschke seinem geliebten Lebenspartner. Am 4. August 2003 starb Hans Peter Hauschild. Er wurde auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof in der Gemeinschaftsgrabstelle für Menschen, die an den Folgen von HIV und Aids verstorben sind, in Berlin-Schöneberg beigesetzt.



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